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Blutspende in der Schweiz: Was heute für schwule und bisexuelle Männer gilt

por Queer Switzerland editorialPublicado 22 de junho de 20264 min de leitura

Wer in der Schweiz Blut spenden möchte, durchläuft vor jeder Spende einen Gesundheitsfragebogen und ein ärztliches Vorgespräch. Ziel ist es, das Risiko zu minimieren, dass über eine Spende Infektionen wie HIV oder Hepatitis übertragen werden. Über viele Jahre bedeutete das für Männer, die Sex mit Männern haben (MSM), einen besonders strengen Umgang: Lange galt in der Schweiz ein praktisch vollständiger Ausschluss von der Blutspende, allein aufgrund der sexuellen Orientierung. Aus Sicht vieler queerer Menschen und Verbände war das nicht nur medizinisch überholt, sondern auch stigmatisierend, weil es eine ganze Gruppe pauschal als Risiko behandelte.

Ein erster grosser Schritt erfolgte 2017. Damals genehmigte das Heilmittelinstitut Swissmedic auf Antrag von Blutspende SRK Schweiz die Aufhebung des pauschalen Ausschlusses. An seine Stelle trat eine sogenannte Karenzfrist: MSM durften spenden, sofern seit dem letzten Sexualkontakt mit einem Mann zwölf Monate vergangen waren. Das war rechtlich gesehen kein Ausschluss mehr, in der Praxis aber dennoch eine sehr hohe Hürde – für viele Männer in einer aktiven Beziehung oder mit regelmässigem Sexleben faktisch kaum erfüllbar. Die Kritik hielt deshalb an: Der Massstab knüpfte weiter an die Orientierung an und nicht am tatsächlichen individuellen Risiko.

Die entscheidende Wende kam 2023. Am 24. Juli 2023 genehmigte Swissmedic auf Gesuch von Blutspende SRK Schweiz angepasste Spendekriterien, die nicht mehr nach sexueller Orientierung unterscheiden. Seit dem 1. November 2023 gelten für alle Spendewilligen dieselben Regeln – unabhängig davon, ob die Sexualkontakte hetero- oder homosexuell sind. Entscheidend ist nicht mehr, mit wem jemand Sex hat, sondern bestimmte Verhaltensmerkmale, die für alle gleichermassen gelten.

Nach der neuen Logik knüpfen die Rückstellungen an neue Sexualpartnerinnen oder -partner an. Vereinfacht gesagt: Wer kürzlich einen neuen Sexualkontakt hatte, wird für vier Monate zurückgestellt; bei mehr als zwei neuen Partnerinnen oder Partnern innerhalb dieser vier Monate gilt eine Frist von zwölf Monaten. Diese Kriterien gelten ausdrücklich für alle gleich. Damit folgt die Schweiz einem internationalen Trend hin zu einer individuellen Risikobeurteilung, wie ihn auch andere Länder eingeführt haben. Wichtig: Die genauen Fristen, Formulierungen und Ausnahmen können angepasst werden und werden im persönlichen Vorgespräch geklärt – die hier genannten Zahlen sind als Orientierung zu verstehen, nicht als verbindliche Einzelfallauskunft.

Für die queere Community ist diese Reform vor allem symbolisch und praktisch bedeutsam. Symbolisch, weil sie die Botschaft beendet, schwule und bisexuelle Männer seien per se ein Risiko. Praktisch, weil dadurch mehr Menschen tatsächlich spenden können – «unser Blut rettet auch», so der Tenor von Organisationen wie Pink Cross und der Aids-Hilfe Schweiz, die sich jahrelang für die Gleichstellung eingesetzt haben. Gleichzeitig bleibt die Spende kein Automatismus: Auch nach der Reform müssen alle Spendenden den Fragebogen ehrlich ausfüllen, und Rückstellungen aus medizinischen Gründen gelten für jede Person.

Queer Switzerland verfolgt dieses Thema weiter und verlinkt die offizielle Quelle. Die aktuell gültigen Spendekriterien legt Blutspende SRK Schweiz / Transfusion CRS Suisse fest, und sie werden von Swissmedic genehmigt; massgeblich ist immer die jeweils aktuelle offizielle Information. Wer konkret spenden möchte, sollte die genauen Bedingungen direkt bei Blutspende SRK Schweiz oder beim regionalen Blutspendedienst prüfen. Dieser Beitrag dient der Information und ersetzt keine medizinische oder rechtliche Beratung. Wer Fragen zu sexueller Gesundheit, HIV oder PrEP hat, findet bei der Aids-Hilfe Schweiz und den regionalen Checkpoints vertrauliche Beratung.

Fonte: Swissmedic

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