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Queere Filmfestivals der Schweiz 2026/27: Termine, Tickets und Filmtipps von Genf bis Frauenfeld

Von Everybody's Perfect in Genf über 30 Jahre Queersicht in Bern bis zum 30. Pink Apple im Mai 2027: sechs queere Filmfestivals der Saison mit Daten, Spielorten, Preisen und Filmtipps. Mehr als unsere Programmvorschau vom September – der ganze Festivalkalender auf einen Blick.

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Sechs Festivals, ein Kalender

Wer queeres Kino liebt, hat in der Schweiz zwischen Oktober und Mai einen vollen Kalender. Die Saison hat am 8. Oktober in Basel mit Lust*streifen begonnen, gleich danach war Genf an der Reihe: Everybody's Perfect läuft noch bis am 18. Oktober. Im November folgen drei Termine fast im Wochentakt – Queersicht in Bern (5. bis 11. November), PinkPanorama in Luzern (18. bis 21. November) und die Porny Days in Zürich (27. bis 29. November). Den Schlusspunkt setzt im Frühling Pink Apple, das 2027 seine 30. Ausgabe feiert: vom 4. bis 13. Mai in Zürich und vom 14. bis 16. Mai in Frauenfeld.

Die Festivals haben jedes ein eigenes Profil. Genf setzt auf zehn Tage mit grossem internationalem Programm, Cabaret und Partys. Basel versteht sich als queerfeministisches Festival, bei dem Körper und Begehren im Zentrum stehen. Bern ist nach eigenen Angaben das älteste queere Filmfestival des Landes und wird von Freiwilligen getragen. Luzern feiert den 25. Geburtstag, und die Porny Days in Zürich zeigen Filme über Sexualität, die alle erst ab 18 Jahren zugänglich sind. Gemeinsam ist allen: Sie zeigen Filme, die es selten ins reguläre Kinoprogramm schaffen, und die meisten Filme laufen nur wenige Male.

Wie eng die Festivals miteinander verbunden sind, zeigte sich im Juni in Lausanne. Auf Einladung der Cinémathèque suisse diskutierten dort Vertreterinnen und Vertreter von Everybody's Perfect, Pink Apple und Queersicht über Geschichte und Herausforderungen der queeren Filmfestivals in der Schweiz. Alle Angaben in diesem Überblick stammen von den offiziellen Festivalseiten, Stand 7. Oktober 2026. Programme werden laufend ergänzt – prüfe vor der Anreise die Seite des Festivals.

Genf: Everybody's Perfect bis am 18. Oktober

Die 13. Ausgabe von Everybody's Perfect, dem ersten queeren Filmfestival der Romandie (gegründet 2010), läuft vom 9. bis 18. Oktober in der Maison des arts du Grütli an der Rue du Général-Dufour 16. Gespielt wird in drei Sälen: Salle Simon und Salle Langlois im Untergeschoss, Fonction : Cinéma im Erdgeschoss. Ebenfalls im Erdgeschoss liegt La Paillette, die Festivalbar mit kleiner Küche, Ständen und jeden Abend DJ-Sets. Sie öffnet 30 Minuten vor der ersten Vorstellung, der Eintritt ist frei.

Bei den Preisen arbeitet das Festival mit farbigen Tarifen, die du nach deiner Lage wählst. Ein Kinoeintritt kostet 17 Franken (Orange, Unterstützungstarif), 15 Franken (Gelb, entspricht dem Normalpreis), 8 Franken (Magenta, reduziert) oder 6 Franken (Lavendel, mit der Karte 20ans20francs). Magenta gilt unter anderem für Personen unter 26, Studierende, Stellensuchende, AHV- und IV-Beziehende sowie Mitglieder von Asile LGBTIQ+.

Wer viel schauen will, nimmt den Pass Perfect: 180, 140 oder 95 Franken je nach Tarif, persönlich und nicht übertragbar. Er gilt für alle Vorstellungen, enthält Getränkebons der Bar Le Phare und gibt an den Partys Zugang zum Magenta-Tarif. Wichtig: Auch mit Pass musst du jeden Platz vorher reservieren. Ohne Reservation kommst du nicht in den Saal, und nicht besetzte Plätze werden zu Beginn der Vorstellung wieder verkauft. Die übertragbare Fünferkarte kostet 60 Franken – praktisch, wenn ihr zu zweit geht. Die Gespräche nach den Filmen sind im Ticket inbegriffen. Viele Filme laufen in Originalversion mit französischen Untertiteln, einige nur mit englischen; die Angabe steht auf jeder Filmseite.

Was du in Genf ab dem 14. Oktober noch sehen kannst

Das Festival zählt 55 Programmpunkte aus Langfilmen, Kurzfilmblöcken und Veranstaltungen. Hier eine Auswahl, die ab Mittwoch, 14. Oktober, noch läuft und für schwule und bi Männer besonders interessant ist.

«Maspalomas» (Spanien, 2025): Vicente, 76, geniesst das schwule Leben im Badeort auf den Kanarischen Inseln, bis ihn seine Tochter ins Altersheim drängt und er dort in eine heterosexuelle Fassade zurückfällt. In San Sebastián gewann der Film den Sebastiane-Preis, den der LGBTI-Verein Gehitu am Festival vergibt, und Hauptdarsteller José Ramón Soroiz die Silberne Muschel; später kam für ihn der Goya als bester Darsteller dazu. Mittwoch, 14. Oktober, 20 Uhr, baskische Originalversion mit französischen Untertiteln, ab 16 Jahren.

«Downtown» (Niederlande, 2026): Zwei Freunde stehen in den 1980er-Jahren im Zentrum eines Amsterdamer Gay-Clubs; Jahre später treffen sie sich wieder und reden über das, was nie gesagt wurde. Freitag, 16. Oktober, 16 Uhr, und Sonntag, 18. Oktober, 15.15 Uhr, nur mit englischen Untertiteln.

«Mineshaft: The Cruising Murders» (USA, 2026): Dokumentarfilm über rätselhaftes Verschwinden und Morde in der schwulen Lederszene der 1970er-Jahre und über den Streit um William Friedkins Film «Cruising». Sonntag, 18. Oktober, 18.15 Uhr, ab 18 Jahren.

«Molt lluny» (Spanien, 2025): Sergio reist mit Familie und Freunden in die Niederlande, um sein Fussballteam anzufeuern, bleibt spontan dort und muss sich ein neues Leben aufbauen. Regisseur Gerard Oms ist am 15. Oktober zu Gast. Donnerstag, 15. Oktober, 19.30 Uhr, Freitag, 16. Oktober, 18.15 Uhr, und Samstag, 17. Oktober, 15 Uhr.

«Six nuances de gays»: 80 Minuten schwule Kurzfilme, vom homoerotischen Musikclip bis zum Drama um einen jungen Mann, der seine Jobs über eine App findet. Sonntag, 18. Oktober, 19.15 Uhr, ab 16 Jahren.

Ausserdem: «Hunky Jesus» über die Sisters of Perpetual Indulgence, 1979 in San Francisco gegründet (Mittwoch, 14. Oktober, 20.45 Uhr, und Samstag, 17. Oktober, 16.45 Uhr); «Iván & Hadoum», Gewinner des Teddy Award der Berlinale 2026 (Mittwoch, 14. Oktober, 16.30 Uhr); «Blue Boy Trial» über einen Prozess im Japan der 1960er-Jahre, der zur Geschichte der trans Rechte gehört (15., 16. und 18. Oktober); und die Drag-Komödie «Stop! That! Train!» mit RuPaul als US-Präsidentin (17. und 18. Oktober).

Genf nach dem Kino: Country, Cabaret und Preise

Der Donnerstag, 15. Oktober, gehört dem queeren Country Dance. Von 12.15 bis 13.45 Uhr gibt es im 3. Stock des Grütli einen Workshop (17, 15, 8 oder 6 Franken), am Abend von 20.30 bis 0.30 Uhr die Country-Party im Le Groove an der Rue des Gazomètres 9 (18, 16, 12 oder 11 Franken). Passend dazu läuft der Dokumentarfilm «Last Dance at the Sundance Stompede» über ein queeres Country-Wochenende in San Francisco: Mittwoch, 14. Oktober, 18.45 Uhr, und Donnerstag, 15. Oktober, 14.45 Uhr, mit Gespräch mit dem Regisseur Graham Clayton-Chance.

Am Freitag, 16., und Samstag, 17. Oktober, wird das Le Groove zur Cabaret-Bühne mit anschliessenden DJ-Sets (50, 35, 26 oder 23 Franken). Die Abschlussparty am Samstag beginnt um 21 Uhr mit dem Cabaret-Kollektiv La Bouche. Wer nur tanzen will, kommt später: DJ-Sets gibt es am Freitag ab Mitternacht (ab 11 Franken) und am Samstag ab 23 Uhr (ab 11 Franken).

Im selben Haus, in den Scènes du Grütli, spielt Sara Selma Dolorès vom 14. bis 16. Oktober jeweils um 19.30 Uhr ihr Theaterstück «Rire (pour en finir avec soi-même)», ein bissiges Cabaret zwischen Stand-up und Liedern (105 Minuten, auf Französisch, ab 16 Jahren). Die Tickets kosten 5 bis 25 Franken, mit Pass Perfect 10 Franken.

Die Perfect Awards werden am Samstag, 17. Oktober, um 18 Uhr an der Schlusszeremonie vergeben. Der Prix Mémoires LGBTIQ+ der Stadt Genf ist mit 3000 Franken dotiert und geht an einen Langfilm, der die Geschichte queerer Menschen und Bewegungen erzählt; eine dreiköpfige Jury entscheidet. Dazu kommen ein Publikumspreis – nach jedem Langfilm wirfst du deinen Zettel in die Urne – und der Preis einer Jugendjury unter 25 Jahren.

Basel: Lust*streifen hat die Saison eröffnet

Den Auftakt machte vom 8. bis 11. Oktober das Lust*streifen Film Festival Basel, zum 19. Mal und unter dem Motto «Bodies in Solidarity». Eröffnet wurde es im Stadtkino Basel mit dem philippinischen Film «Dreamboi» von Rodina Singh, als europäische Premiere. Gespielt wurde im neuen kino an der Klybeckstrasse 247 und im Stadtkino an der Klostergasse 5, das Rahmenprogramm lief im Holzpark Klybeck in Gannet, Korsar und reUnion.

Das Festival entstand 2007 als Initiative der habs queer basel und ist seit 2018 ein eigenständiger Verein. Es widmet sich LGBTQIA+, Feminismus, Gender und Körperpolitik. Mit dem Stichwort «Schwul» waren im Programm unter anderem diese drei Filme markiert: «Jaripeo», ein zärtlicher Dokumentarfilm über heimliches Begehren rund um Rodeos in Mexiko; «Test» über einen jungen Bodybuilder und den Druck, der hinter seinem Körper steckt; und «To Dance is To Resist» über ein queeres Tänzerpaar in Kyjiws Untergrund während des Kriegs. Die letzten beiden liefen als Schweizer Premieren.

Fester Bestandteil ist der Block «Heidilicious» mit Schweizer Kurzfilmen im nationalen Wettbewerb. Die Lust*awards vergibt das Festival in drei Kategorien: national, international und Intimacy.

Für die nächste Ausgabe lohnt es sich, die Preise zu kennen: Ein Eintritt kostete 18 Franken, reduziert 12 Franken (unter 25 oder in Ausbildung bis 30). Der Festivalpass kostete 100 Franken als Richtpreis, 120 Franken als Solipreis – 20 Franken davon gingen an den Trans Safety Emergency Fund – und 80 Franken reduziert. Menschen mit N- oder F-Bewilligung hatten freien Eintritt ins Filmprogramm, das Rahmenprogramm war kostenlos. Die Festivalparty Lust*voll lief am Samstag von 22 bis 4.30 Uhr im Gannet, mit Darkrooms und Chill-out-Bereich, für 20 bis 30 Franken.

Bern: Queersicht wird 30

Queersicht wurde 1996 gegründet und findet seither jedes Jahr im November statt. Das Jubiläumsfestival läuft vom 5. bis 11. November 2026. Organisiert wird das Festival von einem rund 20-köpfigen, ehrenamtlichen Komitee, getragen vom Verein Queersicht. Zum Jubiläum will das Team die Filme, Menschen und Erfahrungen aus drei Jahrzehnten feiern. Das vollständige Programm gibt es ab dem 12. Oktober auf queersicht.ch, wo du auch die Ticketinfos findest.

Fix sind bereits zwei Termine. Am 5. November eröffnet ein vom Komitee ausgewählter Film das Festival, als Dank an die Community. Am Samstag, 7. November, steigt ab 22 Uhr die Queersicht-Party im Dachstock der Reitschule, mit Disco Shorley, einer Drag-Performance, knabber_hans, unnova & Popy Caste und 36birds.

Gespielt wird in ganz Bern: CineABC (Moserstrasse 24), Kino REX 1 (Schwanengasse 9), Kellerkino (Kramgasse 26), Cinématte (Wasserwerkgasse 7), Kino in der Reitschule (Neubrückstrasse 8) und Lichtspiel (Sandrainstrasse 3). Bar, Lounge und Brunch finden im Queerfeministischen Raum an der Schützenmattstrasse 9 statt. Voll rollstuhlgängig sind laut Festival REX 1, Cinématte und Lichtspiel; Filme aus dem nicht zugänglichen Kellerkino laufen immer auch in einem zugänglichen Saal. Begleitpersonen haben freien Eintritt.

Kurzfilme konkurrieren um den Publikumspreis «Die Rosa Brille», der mit 2000 Franken dotiert ist; der zweite Platz erhält 500 Franken. Wer einen Film verpasst, bekommt eine zweite Chance: Laut Queersicht zeigt das Filmpodium Biel/Bienne vom 12. November bis 22. Dezember mehrere Filme aus dem Programm in seiner Reihe «Queer Cinema».

Luzern, Zürich und Frauenfeld: PinkPanorama, Porny Days, Pink Apple

PinkPanorama feiert 2026 den 25. Geburtstag und findet vom 18. bis 21. November im stattkino im Bourbaki am Löwenplatz 11 in Luzern statt. Bei Redaktionsschluss am 7. Oktober war das Programm noch nicht veröffentlicht. Die Veranstalter bitten, sich zusätzlich Sonntag, den 15. November, freizuhalten, ohne schon zu verraten, was dann geschieht. Wer es als Erstes erfahren will, abonniert den Newsletter auf pinkpanorama.ch.

In Zürich folgen vom 27. bis 29. November die 14. Porny Days, ein Film- und Kunstfestival über Körperlichkeit und Sexualität. Die Organisation nennt 2026 ausdrücklich ein Findungsjahr: Das Programm wird kleiner und konzentriert sich auf Filme, nachdem es personelle Wechsel gab. Für 2027 ist eine Jubiläumsausgabe angekündigt. Alle Vorführungen der Porny Days sind ab 18 Jahren. Spielorte und Programm für 2026 waren bei Redaktionsschluss noch nicht publiziert.

Im Frühling folgt Pink Apple, nach eigenen Angaben das grösste queere Filmfestival der Schweiz. Es zeigt jeweils Anfang Mai während zwölf Tagen neue queere Filme in Zürich und Frauenfeld. Die Daten der 30. Ausgabe stehen fest: Zürich vom 4. bis 13. Mai 2027, Frauenfeld vom 14. bis 16. Mai 2027. Die drei Frauenfelder Tage schliessen direkt an Zürich an – wer aus der Ostschweiz kommt, kann sich das Wochenende vom 14. bis 16. Mai vormerken.

So planst du deine Festivalsaison

Reserviere früh. In Genf brauchst du für jede Vorstellung eine Reservation, auch mit Pass, und nicht besetzte Plätze gehen zu Beginn der Vorstellung zurück in den Verkauf. In Basel waren Reservationen wegen der begrenzten Plätze gar nicht möglich, und auch Passinhaber mussten jeden Film einzeln an der Kasse buchen. Einzeltickets gab es aber online im Vorverkauf oder an der Kasse.

Rechne nach, ob sich ein Pass lohnt. In Genf ist der Pass Perfect im Magenta-Tarif ab etwa zwölf Filmen günstiger als Einzeltickets zu 8 Franken. Im Gelb-Tarif rechnet sich der Pass für 140 Franken ab zehn Filmen. Bist du unter 26 oder in Ausbildung, frag immer nach dem reduzierten Tarif.

Achte auf Sprache und Alter. Jede Filmseite nennt Originalsprache, Untertitel und Altersfreigabe. Manche Filme in Genf haben nur englische Untertitel, «Mineshaft» ist ab 18, und an den Porny Days gilt das für alle Vorführungen.

Frag nach, wenn du Unterstützung brauchst. Queersicht beantwortet Fragen zur Zugänglichkeit unter zugaenglichkeit@queersicht.ch und bittet um vorgängige Anmeldung, damit dir bei ausgebuchten Vorstellungen ein Platz sicher ist. In Basel konnte im neuen kino auf Anfrage eine Rampe aufgestellt werden.

Verbinde Film und Ausgang. Wer in Genf ist, findet in unserem Stadtguide Bars wie Le Phare, dessen Getränkebons im Pass enthalten sind. In Bern ist die Queersicht-Party im Dachstock der Treffpunkt nach dem letzten Film am Samstag. Alle Termine findest du auch in unserer Agenda.

Quellen & Hintergründe

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  2. Everybody's Perfect – à propos ↗Everybody's Perfect · Abgerufen 7. Oktober 2026
  3. Everybody's Perfect – éditorial 2026 ↗Everybody's Perfect · Abgerufen 7. Oktober 2026
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  44. Pink Apple ↗Pink Apple · Abgerufen 7. Oktober 2026

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