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Mehr als jeder zweite CSD in Deutschland 2026 angegriffen – was die Zahlen für Schweizer Prides bedeuten

156 von 299 CSDs wurden 2026 angegriffen, nach mindestens 112 von 245 im Vorjahr. Das Monitoring der Amadeu Antonio Stiftung zeigt einen Wandel der Angriffe; die Zahlen, die Parallelen in der Schweiz und die Meldestellen im Überblick.

· 4 Min. Lesezeit · Queer Switzerland editorial
Bild: Queer Switzerland

Was der Bericht zählt Die Amadeu Antonio Stiftung hat in ihrem Monitoring «CSDs schützen» für 2026 in Deutschland 299 Christopher Street Days erfasst, wie Pride-Veranstaltungen dort heissen. Das ist ein Rekord. Bei 156 davon, also bei mehr als der Hälfte, kam es zu Angriffen, oft mehrfach. Im Vorjahr waren es mindestens 112 von 245 Veranstaltungen. Die Stiftung spricht von «zwei neuen Rekorden»: mehr Prides und mehr Angriffe. Grundlage sind eigenes Monitoring, Medien- und Social-Media-Recherchen sowie eine Befragung von Organisierenden; die tatsächliche Zahl dürfte laut Stiftung höher liegen.

Was sich verändert hat Gemäss gay.ch (28. Oktober 2026), das den Bericht zusammenfasst, gingen grosse, organisierte rechtsextreme Gegendemonstrationen von 43 auf 27 zurück. Dafür nahmen Angriffe von Einzelpersonen ausserhalb der rechtsextremen Szene zu, ebenso Hass im Netz. Körperliche Gewalt rund um Prides stieg von 4 Fällen im Jahr 2025 auf 19 im Jahr 2026, fast eine Verfünffachung. Im Osten Deutschlands waren laut gay.ch 62 Prozent der Prides betroffen, im Westen stieg der Anteil von 38 auf 47 Prozent. Der schwerste Fall war der islamistische Anschlag auf den CSD Berlin am 25. Juli 2026: Laut gay.ch wurde eine Frau getötet und rund 30 Menschen wurden verletzt; andere Angaben nennen eine leicht abweichende Zahl. Die Stiftung kritisiert zudem, dass Angriffe ausserhalb Berlins kaum öffentliche Aufmerksamkeit erhalten.

Ein differenzierteres Bild Nicht alle Daten zeigen in dieselbe Richtung. Eine Befragung von Pride in Sachsen ergab: 2025 hatten sechs von 17 sächsischen Veranstaltungen Gegenversammlungen angemeldet, 2026 nur noch zwei von 19. Das Unsicherheitsgefühl bei der Anreise sank von 29 auf 19 Prozent, bei der Rückreise von 38 auf 27 Prozent. Die Stiftung finanzierte 2026 Schutzmassnahmen für 28 CSDs, vor allem in kleinen ostdeutschen Städten. Parallel nahmen laut der Stiftung die politisch motivierten queerfeindlichen Straftaten 2025 um 12,8 Prozent zu; rechte Hasskriminalität wegen sexueller Orientierung stieg um 21,17 Prozent, wegen geschlechtlicher Vielfalt um 24,26 Prozent. Die Zahlen zeigen damit eher eine Verschiebung der Angriffsformen als ein Abklingen: weniger organisierte Aufmärsche, mehr unorganisierte Angriffe, Gewalt und Onlinehass.

Was das für die Schweiz bedeutet Die Zahlen betreffen Deutschland, aber die Muster sind hier nicht unbekannt. Die LGBTIQ-Helpline verzeichnete im Hate Crime Bericht 2026 für das Jahr 2025 281 Meldungen in der Schweiz und betonte, dass die Dunkelziffer gross ist. Am 30. Oktober verurteilte das Bezirksgericht Zürich laut gay.ch sechs Mitglieder einer rechtsextremen Gruppe wegen Störaktionen bei einem Pride-Gottesdienst und einer Drag Story Time im Jahr 2022; das Urteil ist nicht rechtskräftig. Für Organisierende von Prides und queeren Veranstaltungen heisst das: Sicherheitskonzepte sollten nicht nur auf angemeldete Gegendemonstrationen, sondern auch auf Einzelpersonen, Onlinehetze und den Heimweg ausgerichtet sein.

Praktisch: Melden und Hilfe holen Die LGBT+ Helpline ist kostenlos unter 0800 133 133 erreichbar (lgbt-helpline.ch). Hassverbrechen lassen sich in mehreren Sprachen online auf stophate.ch melden. Pink Cross hat am 4. November ein Crowdfunding auf wemakeit gestartet: Die Helpline, die Beratung unter Peers anbietet, als Meldestelle für queerfeindliche Gewalt dient und den jährlichen Hate-Crime-Bericht veröffentlicht, lässt sich ab sofort mit einem monatlichen Beitrag unterstützen. Betrag und Frist nennt die Mitteilung nicht. Bei akuter Gefahr gilt die Polizei (117). Aktuelle Termine queerer Veranstaltungen findest du in der Agenda dieser Website.

Quellen & Hintergründe

  1. CSDs schützen 2026 – Monitoring ↗Amadeu Antonio Stiftung · Abgerufen 5. November 2026
  2. DEUTSCHLAND: Mehr als jede zweite Pride 2026 wurde angegriffen ↗gay.ch · Abgerufen 5. November 2026
  3. Die LGBTIQ Helpline ist jetzt auf wemakeit! ↗Pink Cross · Abgerufen 5. November 2026

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