HIV-Selbsttest in der Schweiz: Wie er funktioniert und wo es vertrauliche Hilfe gibt

Wer in der Schweiz seinen HIV-Status selbst herausfinden möchte, kann das seit Sommer 2018 zu Hause tun. Damals erlaubte die Heilmittelbehörde Swissmedic den Verkauf von HIV-Tests zur Eigenanwendung – den sogenannten HIV-Selbsttests. Heute sind diese Tests legal und unkompliziert erhältlich: in Apotheken und Drogerien, in vielen Supermärkten und auch online. Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) und die Aids-Hilfe Schweiz empfehlen, einen Test mit europäischer CE-Kennzeichnung zu wählen. Diese Kennzeichnung belegt, dass die Hersteller die Zuverlässigkeit und die einfache Handhabung des Tests nachgewiesen haben. Bei Online-Käufen ist Vorsicht geboten: Im Internet kursieren günstige Produkte ohne Qualitätssicherung und sogar Fälschungen. Wer in einer Schweizer Apotheke oder Drogerie kauft, ist auf der sicheren Seite.
Der Selbsttest ist einfacher, als viele denken. Mit einer haarfeinen Lanzette sticht man sich in die Fingerkuppe und gibt einen Tropfen Blut in den mitgelieferten Behälter; nach kurzer Zeit lässt sich das Ergebnis ablesen. Die meisten Selbsttests sind Antikörpertests: Sie weisen nicht das Virus direkt nach, sondern die Reaktion des Körpers darauf – die Antikörper, die das Immunsystem bildet. Genau hier liegt der wichtigste Punkt, den man verstehen muss: Diese Immunantwort braucht Zeit. Deshalb kann ein HIV-Selbsttest eine Ansteckung erst dann zuverlässig erkennen, wenn die mögliche Risikosituation mindestens drei Monate zurückliegt. Diese Zeitspanne nennt man Fensterperiode.
Die Fensterperiode ist der häufigste Grund für Verunsicherung – und für falsche Schlüsse. Ein negatives Ergebnis ist nur dann aussagekräftig, wenn das letzte mögliche Risiko mindestens drei Monate her ist. Liegt die fragliche Situation kürzer zurück, sagt der Selbsttest noch nichts Verlässliches aus. In diesem Fall ist eine professionelle Teststelle die bessere Wahl: Der HIV-Schnelltest der 4. Generation, der dort eingesetzt wird, kann eine Infektion laut BAG bereits frühestens zwei Wochen nach einer Risikosituation erkennen, ein zuverlässiges Resultat liegt nach etwa sechs Wochen vor. Wer also nicht warten möchte oder kurz nach einem Risiko Klarheit braucht, ist bei einer Beratungs- und Teststelle besser aufgehoben als beim Heimtest.
Ein reaktives, also «positives» Resultat eines Selbsttests ist nie eine endgültige Diagnose. Selbsttests sind Suchtests; ein reaktives Ergebnis muss immer mit einem Bestätigungstest in einer Teststelle oder bei einer Ärztin oder einem Arzt überprüft werden. Erst dieser zweite Schritt klärt, ob tatsächlich eine HIV-Infektion vorliegt. Wichtig ist auch die gute Nachricht hinter dieser Vorsicht: HIV ist heute eine gut behandelbare chronische Erkrankung. Wer früh von einer Infektion erfährt und eine Therapie beginnt, kann ein normales, langes Leben führen – und ist unter wirksamer Behandlung nicht mehr ansteckend (das Prinzip «nicht nachweisbar = nicht übertragbar»). Deshalb ist es kein Grund zur Panik, sondern ein Grund, rasch eine Fachstelle aufzusuchen.
Genau dafür gibt es in der ganzen Schweiz vertrauliche Anlaufstellen. Die Checkpoints – spezialisierte Gesundheitszentren etwa in Zürich, Genf, Lausanne, Basel und weiteren Städten – sowie die regionalen Aids-Hilfen bieten anonyme HIV- und STI-Tests zusammen mit persönlicher Beratung an. Im Checkpoint Zürich beispielsweise liegt das Resultat eines Schnelltests nach rund 20 Minuten vor, Labortests werden nach einigen Tagen mitgeteilt. In der Beratung werden Risikosituationen besprochen, Fragen beantwortet und – falls nötig – die nächsten Schritte gemeinsam geplant. Das BAG bringt es auf den Punkt: «Ein HIV/STI-Test ohne Beratung ist eine verpasste Chance für die Prävention.» Eine Übersicht aller Beratungs- und Teststellen findet sich beim BAG und bei der Aids-Hilfe Schweiz.
Queer Switzerland verfolgt das Thema sexuelle Gesundheit weiter und verlinkt für alle Details auf die offizielle Quelle. Dieser Beitrag ist eine Information und keine medizinische Beratung. Wer sich unsicher ist, ein Risiko einschätzen lassen möchte oder ein Testergebnis verstehen muss, findet bei den Checkpoints und der Aids-Hilfe Schweiz vertrauliche, kostenlose oder günstige Hilfe. Bei einem reaktiven Selbsttest gilt: nicht allein bleiben, sondern eine Fachstelle oder Ärztin/Arzt für den Bestätigungstest kontaktieren. Emotionale Unterstützung rund um die Uhr bietet zudem die Dargebotene Hand unter der Nummer 143.
Source: Bundesamt für Gesundheit (BAG) – Testung und Beratung von HIV und anderen STI ↗

